TeX Formulas

Mittwoch, 30. Mai 2012

Re: Über die Kompliziertheit der Dinge 1

An: Thilo Leibelt (Alle anderen können diesen Blogartikel getrost überspringen)
Betreff: Über die Kompliziertheit der Dinge 1

Hey Thilo,
ich finde du packst schon wieder alles viel zu kompliziert an. Wahrscheinlich hattest du kein Whiteboard dabei als du diesen Artikel schriebst. Generell sollte man immer eines dabeihaben, denn das interne Whiteboard eines Gehirns entspricht wahrscheinlich einem Zettel A7 (zumindest bei mir).

Im Allgemeinen kann man sich den Prozess des Sparens auch sehr einfach vorstellen, denn das Ziel des Lebens ist die Optimierung der eigenen Lebensfreude. Das klingt sehr egoistisch, ist es aber nicht, denn für jeden bedeutet das etwas anderes. Man kann so beispielsweise die eigene Freude von der anderer Menschen abhängig machen und schon ist man sehr nett. Oder man kann wie du die eigene Freude im Aufstellen und nicht Beantworten von sinnlosen bis komplizierten Fragen sehen. Egal wie man es dreht, jeder versucht zu optimieren. Der eine das Gehalt, der andere seinen Eindruck auf andere Menschen und der dritte die persönliche Bestzeit auf 100m Entengang rückwärts.

Nach dieser Einleitung nun zur Antwort auf dein Problem. Der eigene Spaß \(F_L\) ist die Summe der Freude der Dinge, die du so tust. Jedem Ding \(D\) in deinem Leben kannst du eine Freude \(F_D\) zuordnen. Insgesamt erhälst du also
$$ F_L =  \sum_D^{Leben} F_D. $$
Diese Formel optimierst du nun, indem du deine \(D\) aus allen möglichen Dingen sorgfältig auswählst. Problem gelöst.

ABER so einfach ist es natürlich nicht, denn das Leben hat jede Menge Nebenbedingungen. Die für dich in diesem Zusammenhang wichtigste ist die folgende:
$$ Geld(Thilo) \ge \sum_D^{Leben} Preis(D). $$
Weiterhin ist zu sagen, dass kein Mensch sich darüber wirklich den Kopf zerbricht, denn wir wurden während unserer Erziehung und darüber hinaus mit mächtig gewaltigen Heuristiken ausgestattet, die ganz gute Arbeit leisten. So auch bei dir. Das Problem ist nun, dass du deine eigenen Filter hinterfragst. Und nicht etwa die kleineren Feineinstellungen, die jeder im Laufe des Lebens macht, so zum Beispiel, ob vier Euro wirklich zu viel für ein leckeres Hörnchen Softeis Schoko-Vanille gemischt sind. Nein, so etwas wäre dir zu einfach, du hinterfragst das gesamte System. Hier also mein Tipp:
Definition 3: Lass es. Du kannst es nicht ändern.
Es ist auch viel zu spät. Und eigentlich willst du es nicht ändern. Du fragst dich nur warum es so ist wie es ist.

Das einzige und beste was du tun kannst ist deinem Kind zu helfen ein System zu implementieren (das macht es natürlich wiederum völlig unbewusst), welches obige Optimierung halbwegs effizient ermöglicht. Viel Spaß dabei,
Schaanie

PS: LaTeX-Formeln auf dem eigenen Blog, ganz großes  \(F_{Blog}\).

3 Kommentare:

  1. Hi,
    danke für deine Gedanken, ich denke ich verstehe sie. Allgemein muss ich bemerken dass ein Mensch zwar vielleicht im Kopf Whiteboards der Dimension A7 besitzt, aber davon mehrere zu allen möglichen Themen (zumindest bei mir). Das gute (oder weniger gute, je nach dem) daran ist nicht nur dass man sie hat sondern auch querverbinden kann.

    Ich gebe deiner ersten Formel insofern Recht, dass man den Lebensspaß als Summe aller Freuden der mehr oder weniger sorgfältig ausgewählten Dinge betrachten kann. Wobei ich aber gleich wieder einschränken muss….

    weiter

    AntwortenLöschen
  2. Ha! Endlich geht es mal um etwas! Aufgrund meiner persönlichen Verbundenheit zum Autoren dieses Blogs - im Gegensatz zu dem des Ursprungsartikels - gebe ich meinen bescheidenen Senf mal hier dazu:

    Sparen an sich hat ja eigentlich überhaupt keinen positiven Wert, das muss man sich mal vor Augen halten. Erst die Aussicht darauf, dass man das Gesparte irgendwann einsetzen kann, macht das Ganze reizvoll. Das Dumme dabei ist, dass die eigene Lebenszeit ja ziemlich begrenzt ist und manchmal ganz unerwartet einfach enden kann. Wer dann dem Sparen (oder dem Sich-darüber-ärgern-dass-man-nichts-sparen-kann) den Vorrang vor der Erledigung oder dem Erleben anderer Dinge gegeben hat, blickt womöglich auf eine nicht so positive Bilanz. (Ich habe das Gefühl das war jetzt auch pro Optimierungstheorie.) Andererseits: Wenn es nicht weh tut, schadet ein bisschen Sparen vielleicht nichts, falls sich die Lebenszeit doch unerwartet lange ausdehnt.
    Das "Wie sag ich's meinen Kindern" erübrigt sich häufig, schätze ich. Die merken eh, wie man's macht.

    A7-Zettel Ende.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Viele Grüße ins Sylzland,
      ich stimme dir natürlich zu. Aber wie du bereits festgestellt hast, ist deine Antwort in der Tat ein Plädoyer für die Optimierungstheorie. Selbst dein "Andererseits" passt mit hinein.
      Schaanie

      Löschen